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Cloud Computing: Gute Idee oder große Dummheit?

Problematisch ist vor allem der Datenschutz  19.11.2008
14:24

Inhaltsverzeichnis:
1. Kapazitäten einfach einkaufen
2. Die Vision vom Ende der Software

Um eine genaue Definition dessen, was Cloud Computing ("Wolken-rechnen") eigentlich ist, wird in der Branche noch gerungen. Dennoch gehört Cloud Computing zu den gegenwärtig meist diskutierten Buzzwords in der IT-Branche. Mit dem wolkigen Begriff wird die Nutzung von Software und Verarbeitungsleistung auf Abruf beschrieben. Die Anwender kaufen keine Programme mehr, die sie auf ihrem eigenen Rechner installieren, sondern statt dessen Anwendungszeit. Dafür müssen Rechenleistung oder Speicherkapazitäten nicht mehr zu Hause, im Büro oder im Unternehmen vorgehalten werden - was man braucht, kann man bei Bedarf und in variablen Mengen mieten. Nach den Vorstellungen der Anbieter reicht künftig sowohl für private wie für gewerbliche Anwender ein PC mit wenig Leistung und kleiner Festplatte. Das einzige, was der Nutzer dann noch braucht, sind ein Browser sowie ein schneller und zuverlässiger Internetanschluss. Und natürlich ein Mietvertrag mit einem oder mehreren Anbietern von Software oder Services aus dem Internet bzw. aus der Rechner-Wolke.

Das Rad wird nicht neu erfunden

Vieles von dem, was heute unter Cloud Computing angeboten wird, ist eigentlich nichts Neues mehr. Unternehmen mieten seit Jahrzehnten Rechenleistung bei Anbietern von IT-Services, Stichwort Outsourcing. Vom Application Service Providing (ASP), der Nutzung von Anwendungen für Buchhaltung, Mitarbeiterführung oder Kunden­beziehungs­management zur Miete können derzeit eine Handvoll Anbieter leidlich leben - ihren Hauptumsatz machen sie aber mit profitableren Geschäftsbereichen. Und dem ASP-Nachfolger SaaS (Software as a Service) geht es nicht anders. Hauptproblem für die Anwender ist das Gefühl, bei ASP, SaaS oder Cloud Computing nicht Herr ihrer Daten zu sein. Was nicht auf der eigenen Festplatte liegt, so die weit verbreitete Meinung, ist für andere einsehbar und womöglich nicht ausreichend geschützt. Die jüngsten Datenskandale bestätigen, dass diese Befürchtungen nicht an den Haaren herbei gezogen sind.

Bild: blogs.sun.com

     Doch neben dieser Haltung etabliert sich in jüngster Zeit auch eine anderer, offenerer Umgang mit Software, CPU-Zeit und Storage. Auch mit Themen wie geistiges Eigentum, Distribution oder erweiterte Erlösmodelle im Internet werden neu überdacht. Web-affine Computernutzer, also aktive Mitglieder von Communities, Blogger oder Nutzer von Social-Web-Anwendungen wie Twitter oder Facebook legen größeren Wert auf uneingeschränkte Vernetzung als auf Kontrolle. Ihnen ist die interaktive Nutzung und die gemeinsame Weiterentwicklung freier Software wichtiger als der reglementierte und abgeschottete Gebrauch gekaufter Programme. Schnell hatten Web-Unternehmen wie Google, aber auch klassische Softwareanbieter wie Microsoft und nicht zuletzt Newcomer wie YouTube oder Salesforce das neue Nutzungsbedürfnis erkannt und entsprechende Services unter dem Share-Label auf den Markt gebracht. Gleichzeitig gelang es den genannten Unternehmen, ihre Plattformen als Drehscheiben für Online-Werbung zu etablieren. Denn die werbetreibende Industrie hatte Webnutzer und Onliner zeitgleich als interessante Zielgruppe ausgemacht.

Die Cloud birgt die Gefahr zu großer Sammelwut

Vor dem Hintergrund der skizzierten Entstehung großer neuer Käuferschichten und weil die private wie gewerbliche Nutzung des Internet permanent zunimmt, macht die Idee von Cloud Computing also durchaus Sinn. Allerdings zeigt sich bisher, dass der neue Ansatz zur Nutzung von Software und Services nur in der kommerziellen Anwendung funktioniert. Das ist beispielsweise dort der Fall, wo Community-Betreiber ihre Klientel mittels Cloud Services stärker durchleuchten und werbewirksamer vermarkten wollen oder klassische Unternehmen die Internetnutzer unter ihren Kunden mit Cloud Software zum erweiterten Dialog auffordern. Auch im herkömmlichen Bereich der Miete nur temporär benötigter Hard- und Software zur Ergänzung der eigenen Unternehmens-IT ist Cloud Computing sinnvoll.
     Die Marktforscher von IDC gehen davon aus, dass sich die Ausgaben für Cloud Services in den nächsten fünf Jahren verdreifachen und im Jahr 2012 weltweit ein Volumen von rund 42 Milliarden US-Dollar erreichen werden. Und die Gartner-Auguren erwarten, dass im Bereich SaaS-Unternehmensanwendungen in diesem Jahr 6,4 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden. Das sei trotz der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ein Plus von 27 Prozent gegenüber 2007. Nach den Worten von IDC-Analyst Frank Gens werden Cloud-Services vor allem für mittlere und größere Unternehmen immer attraktiver.
 

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